Zweite Landeseinzelmeisterschaft Judo-Kumite
In Essen fand die zweite Landeseinzelmeisterschaft Hara-Ki-Judo statt. Erstmalig auch mit Teilnehmern für Kata-Wettbewerbe. Insgesamt sahen über den Tag etwa 600 Zuschauer auf der ausgezogenen Tribüne in der wunderschönen Turnhalle spannende Kämpfe in 15 Gewichtsklassen zwischen 20 und 90kg. Dazu gab es sechs Pools für Formen. 146 Athleten gaben dabei derart ihr Bestes, dass es reichlich Szenenapplaus gab. Dabei erfreut sich Hara-Ki-Judo - immer größerer Popularität.
Martial Arts Association - International - Großmeister Stephan Leifeld, als verantwortlicher Organisator des Events, freute sich ganz besonders über die anwesenden Budogrößen, die mit ihren Teams angereist waren. So konnte Leifeld aus unterschiedlichen Verbänden, die Judostilrichtungen betreiben, illustre Gäste vorstellen. Willi Donner, 7. DAN Karate und 4. DAN Judo, vom Präsidium des Deutschen Dan Kollegium war mit einem Team der Sportschule Kaminari aus Düsseldorf gekommen. Norbert Kraft, 8. DAN Judo, kam mit einer Auswahl Judoka aus Essen, Duisburg und Angermund. Heinrich Drosten, 7. DAN vom Fachverband Tai-Jitsu/Jiu-Jitsu, aus Mülheim/Ruhr zeigte sogar persönlich in den Veranstaltungspausen seine 50jährige Erfahrung mit einigen Vorführungen. Ebenso präsentierten sich auch die Chon-Chi-Schüler aus Oberhausen mit ihrem Sifu Joachim Lehmann, 7. DAN Chon-Chi-Do und Präsident der Chon-Chi-Do Federation Deutschland. Auch Bernd Höhle Headmaster der Martial Arts Association International und Friedebert Niering der Präsident der International Budo Federation übermittelten Ihre Grüße an die Sportler und das Publikum.
Auf drei Mattenflächen und einer vierten Fläche für Kata wurden alle Wettkämpfer bewertet. So gab es für die ab 16jährigen Kämpfer kleine Wertungen wie Koka und Yuko nicht mehr, damit zum Erringen der Großwertungen Waza-Ari und Ippon (voller Punktsieg), der Erfolgsdruck schönere Kämpfe hervorbringen sollte. So kam es dann auch: Tosender Applaus belohnte Martin Schwarz beispielsweise im Finale Männer bis 85kg für seine sehenswerte Aushebetechnik Ura-Nage gegen Andreas Leifeld, der zuvor einen Harai-Tsuri-Komi-Ashi versucht hatte. Andreas Leifeld - 2007 noch Landesmeister in dieser Klasse geworden - ging augenscheinlich sehr zuversichtlich zu Werke. Schwarz hingegen wartete auf seine Chance. Die kam dann mit dem missglückten Ansatz seines Kontrahenten. So konnte er den Vorjahressieger eindrucksvoll bezwingen. Aber auch Stefan Bröhl, der „Bär“ in der offenen Klasse, zeigte Kabinettstückchen beim letzten Turnier vor der IBF-Multinations. Ko-Uchi-Makikomi und Koshiki-Daoshi sieht man im Schwergewicht wirklich nicht alle Tage. Außerdem versuchte Rainer Hinz einen Yoko-Tomoe-Nage, der beinahe zum Erfolg geführt hätte. Martin Schwarz, der auch in der offenen Klasse hoch motiviert angetreten war, schoß den Vogel ab … indem er den „Bären“ im Finale bezwang - mit einem Morote-Tomoe-Nage. Für einen Moment hätte man in der riesigen Halle die Stecknadel fallen hören können. „Wie ein Pendel an einer großen Uhr hing der an dem dran“, kommentierte stolz Veranstalter Stephan Leifeld den Kampf seiner beiden Meisterschüler. „Dann kippte der Bär voll auf den Rücken … Ende. Ippon! Wie wir es noch vor drei Wochen geübt hatten.“
Den Technikerpreis errang aber der Nachwuchsjudoka Dominik Grahe, der einen seiner Gegner mit einem Tai-Otoshi binnen 4 Sekunden bezwingen konnte und auch ansonsten alle fünf Kampfrichter mit weiteren gekonnten Würfen überzeugte. Die teilnehmenden Dan-Träger der Klassen ab U16 hatten sportliches Verständnis für die Auszeichnung des Kindes - trotz ihrer spannenden Fights. Schließlich haben auch die „Kleinen“ kaum die kleinen Wertungen gebraucht. „Man hätte heute auch bei den Jüngeren auf Koka und Yuko verzichten können“, resümierte Leifeld. Die meisten Kämpfe gingen auch in den unteren Gewichtsklassen vorzeitig durch Ippon zu Ende. Dass die weiblichen Teilnehmer auch eine weibliche Mattenrichterin hatten, honorierten die Zuschauer mit extra Beifall. Auch die Mädchen fanden diesen Umstand gut. Denken doch mittlerweile einige der erfahreneren Kämpferinnen darüber nach, ebenfalls entsprechende Lehrgänge zu absolvieren. Auf der sogenannten Mädchen-Matte waren zudem sehr schöne Kämpfe zu bemerken. Denn, während die männlichen Judoka doch oft auf ihre Kraft vertrauen, waren beispielsweise bei den Frauen bis 65kg sämtliche Kämpfe mit höherem Tempo zu bewundern, was das Wechseln der Angriffsformen anging. Birgit Brose (40), die erst seit zwei Jahren Hara-Ki-Judo betreibt, beschäftigte so auch sehr lange ihre halb so alte Kontrahentin vom TV Angermund, Susanne Landsberg.
Entspannend bei allem Adrenalin waren zwei Dinge. Alle hatten ihre Hausaufgaben in den Bereichen Werfen und Fallen offenkundig gemacht. „Deshalb haben wir hier - abgesehen von einer Knieprellung und einer Zerrung im Arm - keine nennenswerten Verletzungen in sämtlichen Pools erlebt“, freute sich Physiotherapeut Andreas Witzmann, der dadurch wenig „Arbeit“ hatte. Zudem wurde der auch für das Publikum transparente Zeitplan beinahe minutiös eingehalten.
Im nächsten Jahr wollen außerdem alle Vereine wieder kommen. Außerdem haben sich noch weitere Teams für 2009 beworben, die im nächsten Jahr zusätzlich Werbung für Kampfkunst machen wollen … Dann wird die MAA - Fachgruppe Hara-Ki-Judo unter Stephan Leifeld die Sieger ermitteln, aus einem Gebiet von NRW, Hessen, Niedersachsen und den Niederlanden.
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