11.10.2008
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Chinareise 2008 - Reisebericht eines Teilnehmers

Am 12. Januar begann die Süd-Shaolintour, die uns zu den Wurzeln unserer Kung Fu Tradition führen sollte. Früh morgens versammelten sich alle vor dem YMCA, in Hong Kong. Die meisten noch schläfrig aufgrund der sehr kurzen Nacht, die durch den Jetlag nur noch mehr verkürzt wurde. Sie alle warteten gespannt darauf, dass wir aufbrechen konnten. Im Bus verteilte unsere Sipo dann auch gleich die Reisegarderobe. Diese sorgte auch unter den Chinesen immer wieder für Aufregung, wenn sie die Aufschriften auf unseren Jacken vorlasen. Ricky, unser Reiseführer, legte dann auch gleich los und erklärte uns, was am Zoll zur chinesischen Grenze zu tun sei.

Zwischen Bürokratie, Bruce Lee und Fotoshooting
Kaum an der chinesischen Grenze angekommen, wurden wir nicht zum letzten mal mit den Eigenheiten der chinesischen Bürokratie konfrontiert. Viele von uns hatten nicht daran gedacht, einen Kugelschreiber mitzunehmen. Unser Sigung, Grossmeister Chiu Chi Ling, schien darauf vorbereitet zu sein und lieh dem einen oder andern einen seiner Stifte. Nachdem alles geregelt war am Zoll, kamen wir mit einiger Verspätung dann endlich in Shende an, wo das Bruce Lee Museum, stand. Bevor wir es besichtigen konnten, hiess es erst einmal stramm hinstehen, damit die extra mitgereisten Reporter ihre Fotos machen konnten. Darauf folgten Kung Fu Vorführungen seitens der Leute vom Bruce Lee Museum und der Teilnehmer dieser Reise.

Darunter befanden sich unter anderen Sifu Werner Leuschner aus Kanada, Sifu Hans Huisman aus Holland, Sifu Miguel Angel de Luca aus Chile, Sifu Paulo Jose da Silva aus Brasilien, Sifu Mohamed Rezeg aus Algerien, zwei Schüler von Sifu Ivar Boxaspen aus Norwegen sowie mehrere Schüler von Grossmeister Chiu Chi Ling und natürlich die Kung Fu Schule Martin Sewer.

Ein Hurry up vom King of Lion Dance
Als die Vorstellungen, Fototershootings endlich zu Ende waren, hatten wir die Gelegenheit, das Museum anzusehen. Viel Zeit blieb uns aber nicht, den bald darauf rief uns unser Sigung unter „Go! Go! Hurry up!“ alle zurück in den Bus, um weiterzufahren. Am Nachmittag stand dann die Wong Fei Hung Martial Arts Hall beim Geburtstort von Wong Fei Hung auf dem Plan. Bei unserer Ankunft wurden wir von Löwentänzern begrüsst. Sigung, der selbst auch als King of Lion Dance bekannt ist, half dann auch gleich an der Trommel aus. Anschliessend gab es eine Zeremonie vor der lebensgrossen Wong Fei Hung Statue, bevor im grosszügig angelegten Innenhof des Gebäudes von den lokalen Schülern Löwentänze auf hohen Pfosten vorgeführt wurden. Und obwohl wahrscheinlich viele von uns schon den einen oder anderen Löwentanz gesehen hatten, so war das Spektakel, das uns auf diesen Pfosten präsentiert wurde doch für fast jeden etwas Neues. Die Leichtigkeit mit der die Löwentänzer katzengleich von Pfosten zu Pfosten sprangen, kannte man vielleicht höchstens aus Filmen. Danach gab es wieder zahlreiche Kung Fu Vorführungen und auch unser Sifu, Martin Sewer zeigte einen Ausschnitt aus der Fu Hok Seung Ying Kuen, der berühmtesten Form unseres Systems.

Danach waren wieder Fotoshooting vor der Wong Fei Hung Statue angesagt, bevor wir uns dann langsam bereit für die Weiterreise machten. Sihing Kitaro, der den Reportern bei den Vorführungen aufgefallen sein muss, durfte ihnen dann in einem Interview noch Rede und Antwort stehen. Die Nacht verbrachten wir im Golden City Hotel im Zentrum von Foshan.

Am nächsten Tag besuchten wir zuerst den Foshan Ancestral Temple, der aufgrund seiner bald tausendjährigen Geschichte auch als der wichtigste Tempel in Foshan angesehen wird. In dessen Innern liegt die Wong Fei Hung Memorial Hall, die auf mehrere Räume verteilt die Leistungen Wong Fei Hungs zeigt. Bei den Fotos von Schulen aus der ganzen Welt, deren Linie direkt auf Wong Fei Hung zurückverfolgt werden kann, waren auch Bilder von der alten Kung Fu Schule Martin Sewer in Zürich zu finden. In einem rekonstruierten Raum konnte man zudem Po Chi Lam, Wong Fei Hungs Heilpraxis, nachgestellt sehen.

Dann wurde es Zeit sich im Innenhof einzufinden, denn wir sollten zusammen mit Grossmeister Chiu Chi Ling die Gung Gee Fook Fu Kuen, die erste Hauptform unseres Systems, vor laufenden Fernsehkameras vorführen. Mittlerweile hatten sich auch schon einige Zuschauer eingefunden, die das Geschehen neugierig mitverfolgten. Im Anschluss darauf gab es wieder zahlreiche Vorführungen. Leider schien aber an diesem Ort das traditionelle Kung Fu verloren gegangen zu sein, denn es wurde uns ausschliesslich Modern Wushu gezeigt. Nach der folgenden Zeremonie ging es dann auch sogleich weiter zur Chin Woo Schule. Dort wurden wir in einer grossen Halle empfangen. Hoch oben an der Wand thronte das Bild des Gründers Huo Yuan Jia, der 1909 diese Schule gegründet hatte, die heute ebenfalls auf der ganzen Welt verbreitet ist. Im Zeichen der Freundschaft wurden Wimpel ausgetauscht, bevor man dann auch schon wieder zu Vorführungen überging. Am Abend erreichten wir schliesslich Guangzhou, die Hauptstadt der Provinz Guangdong (auch unter dem Namen Kanton bekannt), wo wir auch übernachteten.

Am nächsten Morgen ging es sogleich weiter zum örtlichen Sportstadion, wo sich auch mehrere Schulen verschiedenster asiatischer Kampfkünste eingerichtet hatten. Obwohl uns nicht viel Zeit blieb, tauschte man sich einmal mehr gegenseitig aus bevor wir weiter zum Westlake bei Huizhou fuhren. Unterwegs wurden wir dabei bestens von unserem übermotivierten Reiseleiter unterhalten, der nach der Tradition unserer Reisebegleiterin Sandy ein chinesisches Lied vortrug. Um die Zeit zu vertreiben gab es deshalb noch ein wenig Karaoke, um die mehrstündige Busfahrt ein wenig kurzweiliger zu gestalten. Abends erreichten wir dann endlich Shantou. Zum Shoppen war es dann leider schon zu spät und so kehrten wir früh zum Hotel zurück.

Am 15. Januar verliessen wir dann Guangdong und kamen in die Provinz Fujian. Der erste Halt war in Xiamen, der saubersten Stadt Chinas, wo wir einen weiteren tausendjährigen Tempel besuchten. Nach dem Mittagessen bemerkten wir dann, dass ein Mitreisender die Flucht vor dem nicht allseits beliebten chinesischen Essen zugunsten eines MacDonalds ergriffen hatte. Mit etwas Verspätung ging es dann weiter zum Shaolintempel in Quanzhou. Dort angekommen gab es wiederum eine Zeremonie mit Räucherstäbchen bevor wir zu den Vorführungen übergingen. Danach ergriffen alle die Gelegenheit ein paar Fotos mit den Mönchen zu machen bevor wir dann auch schon wieder weiter mussten. Die Nacht verbrachten wir dann in Quanzhou.

Am letzten Tag unserer Shaolinreise fuhren wir noch zum zweiten der insgesamt drei Südshaolintempel. Dafür reisten wir erst einmal nach Putian. Der Tempel selbst war etwas höher gelegen, was wir dann auch zu spüren bekamen, denn die Temperatur war spürbar niedriger. Die Tempelanlage ist sehr grosszügig angelegt und in viele einzelne Gebäude aufgeteilt. Im Kern der Anlage gab es dann wieder eine Zeremonie, bevor uns ein Mönch herumführte. Vor den Toren des Tempels gab es dann noch ein letztes Mal Vorführungen bevor wir uns auf die Rückfahrt nach Xiamen machten.

Dort hatten wir dann noch die Gelegenheit Gulangyu Island zu besuchen, was wohl allen als lustigen Abschluss der Reise in Erinnerung bleiben wird, bevor wir dann am nächsten Tag nach Hongkong zurückkehrten.

Fotos:
http://www.shaolin.ch/blog/200803311507/Reisebericht_eines_Teilnehmers/

Eingereicht von Dojoguide Team
Webseite http://www.dojoguide.org

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