08.08.2008
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Zanshin

Was ist Zanshin in den Kampfkünsten?
Wie setze ich Zanshin im Kenjutsu ein?

Zuerst eine Erklärung zum Zanshin, entlehnt von Wikipedia. Dabei ist diese Erklärung nicht auf das Zanshin im Kenjutsu, der japanischen Schwertkampfkunst, speziell bezogen. Jedoch sind die Erklärungen Allgemeingut des Budo, sie werden von den verschiedenen Kampfkünsten zum Teil unterschiedlich interpretiert.

„Zanshin  (残心, jap. balancierter Geist) ist ein Konzept aus den japanischen Kampfkünsten.
Zanshin bezeichnet einen körperlichen und geistigen Zustand erhöhter Wachsamkeit, Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration nicht nur, aber insbesondere in Kampfsituationen.
Den Körper und den Geist als voneinander getrennt zu betrachten ist dem fernöstlichen Denken fremd. Zanshin bezieht sich also auf den ganzen Menschen. Äußerlich ist Zanshin bestimmt durch korrekte Haltung (Shisei), korrekte Augenkontrolle (Metsuke), korrekten Abstand zum Gegner (Maai). Innere Aspekte von Zanshin sind unter anderem Harmonie (Riai) und Absichtslosigkeit.
Im Kampf ist das Ziel von Zanshin Lockerheit und Spontanität gepaart mit Kampfgeist. Elementarer Bestandteil ist, die Aufmerksamkeit nach einer Kampfaktion nicht abrupt fallen zulassen, sondern zuerst kontrolliert und bewusst wieder Maai herzustellen.
Im japanischen Bogenschießen (Kyudo) bezeichnet Zanshin die nach dem Abschuss (Hanare) verbleibende Körperhaltung und Geisteshaltung und auch in anderen fernöstlichen Kampfsportarten wie Karate wird die erhöhte Wachsamkeit nach einer Kata als Zanshin bezeichnet.
Zanshin wird auch verstanden als “der Geist/das Herz, der/das unbeweglich bleibt” (vgl. Werner Lind, Lexikon der Kampfkünste, Berlin, Sportverlag, 2001, S.695). Interessant ist, dass das Schriftzeichen für “Zan” von Chinesen heute in der Bedeutung von “kaputt” oder “behindert” gelesen wird. Zanshin hieße dann “Kaputt-Herz”. Meditiert man über diese vordergründige Absurdität, so zeigt sich, dass in dieser Lesart der ursprüngliche Sinn dennoch aufbewahrt ist. Denn was ist ein “Herz, das unbeweglich bleibt” anderes als ein “kaputtes Herz”? Um in Situationen äußerster Herausforderung im Vollbesitz seiner Möglichkeiten zu bleiben, muss man gleichmütig, ja gewissermaßen “kaltblütig” sein. So lange das Herz beweglich ist, ist man “heißblütig” und lässt sich zu unbedachten Aktionen hinreißen. Zanshin stellt demnach - hervorgerufen durch ein “unbewegliches Herz” - eine “positive Kaltblütigkeit” dar, aus der heraus es gelingen mag, menschlich zu handeln.“

Im Kenjutsu und im von uns praktizierten Shin-Ken-Ryu-Do wird Zanshin nicht nur im Dojo, nach einer Kata oder auch nach einer Partnerübung (Tachi-Uchi) als Geisteshaltung angenommen. Zanshin soll die generelle Geisteshaltung des Kenjutsu-Ka, des Schwertadepten sein.
Wenn nur im Dojo die rechte Geisteshaltung eingenommen wird, nur dann die korrekte Distanz zum Gegenüber, die Haltung, der Blick, die Einstellung zum Gegenüber und die innere Harmonie beachtet werden, ist der Ausübende geistig nicht mit dem Prinzip des Kenjutsu, speziell des Shin-Ken-Ryu-Do, vertraut. Diese Aspekte von Zanshin nur im Dojo zu beachten heisst, nach dem Verlassen des Dojo alles Erreichte, alles Gute wegzuwerfen.
Zanshin ist auch im täglichen Leben anwendbar. Wir können alles im Dojo erlernte tagtäglich einsetzen: die innere Absichtslosigkeit bei dem Umgang mit anderen, die Harmonie für unser Wohlbefinden und die Integration in die Gemeinschaft, Distanz für unsere Besprechungen, die Haltung und den Blick für die Wahrnehmung des Gegenüber. Nicht umsonst werden noch heute in Japan diverse Aspekte der Kriegskunst für die Managerausbildung bemüht. Dabei werden allerdings oft die kämpferischen Aspekte und das Einstufen des Gegenüber als Feind überbetont. Dieser kann sich, wenn er das nicht erkennt, dessen nicht erwehren, der Anwendende dieses Prinzips gewinnt, weil der andere nicht vorbereitet ist.

Zanshin bedeutet aber nicht: ständig kämpfen zu wollen, gegen jeden und alles. Zanshin ist keine Übung, um sich permanent auf das Kämpfen vorzubereiten. Ab der Herausbildung des Budo aus dem Bujutsu und dem Einfliessen geistiger Aspekte in die Samurai-Ausbildung waren die Samurai nicht ausschliesslich auf die körperliche Kraft und das Geschick im Umgang mit Waffen angewiesen, um sich zu messen. Schon das Prüfen der Haltung des Anderen, sein Blick, sein Distanzgefühl konnten einen erfahrenen Kämpfer offenbaren. Als höherwertiger Kämpfer wird nach dieser Lesart auch der angesehen, der durch seine Haltung die Bereitschaft, beim Duell zu sterben, anzeigt. Das Sterben war nie das erklärte Ziel der Samurai, vielmehr die Bereitschaft und das Einverständnis, sterben zu können.

Kurz gesagt: Zanshin heisst für uns Kenjutsu-Ka, die oben genannten Dinge zu beachten und tagtäglich zu üben. Wenn wir immer Zanshin sind, werden wir leichter erkennen, wer uns gegenüber eine feindselige Haltung einnimmt und die entsprechenden Gegenmassnahmen ergreifen. Dabei soll vor allem die Harmonie mit dem Gegenüber als Ziel angesehen wird, nicht die Vernichtung oder Unterwerfung des Gegners.

Fragen zum Kenjutsu in München beantworten wir gerne per Email. Fragen zum Dojo gerne auch per Email oder einfach unter www.sc-freimann.de/bushido.html nachschauen.

武 Bushido Dojo München
www.sc-freimann.de/bushido.html
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Eingereicht von Dojoguide Team
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