Kata
Was bedeuten Kata für uns? Wie sind Kata entstanden? Was lernen wir aus Kata?
Kata sind die Methode des Lernens der traditionellen Ryuha, also der Schulen der Kampfkünste.
Wie lernt nun der Ausübende durch eine Kata? In seinem Buch „Legacies of the Sword“ beschreibt Karl F. Friday gemeinsam mit Seki Humitake, dem amtierenden 19. Shihan des Kashima-Shinryu, Kata wie folgt: „… Fundamentally, kata represents a training method wherein students rehearse combinations of techniques and countertechniques, or sequences of such combinations, arranged by their teachers… In most cases, students works in pairs“. Hierzu gibt es eine Fussnote mit folgendem Inhalt: „Western audiences equate kata training with the solo exercises of Chinese, Okinawan, and Korean martial arts. But pattern practice in the Japanese bugei is fundamentally different from this sort of exercise. One important – and obvious – distinction is that kata in both traditional and modern Japanese fighting arts nearly involve the participation of two or more people.
Weiterhin führt Karl F. Friday in Bezug auf Kata aus: „ … One partner is designated as the attacker or opponent, and is called uchitachi (when he uses a sword), uchite (when he uses another weapon), or ukete (when he is unarmed). The other employs the techniques the kata is designed to teach, and is called the shitachi (in sword training) or the shite (when training unarmed or with other weapons).“
Im Gegensatz zur heutigen Praxis wurden Kata also nicht als eine von mehreren Trainingsmethoden, sondern als die Trainingsmethode schlechthin eingesetzt. Weiterhin wurden hauptsächlich mehrere Personen zum Erlernen der Kata herangezogen. Ursprünglich wurden, wie in Asien üblich, die zu übenden Formen vom Lehrer demonstriert. Dann übte der Schüler zusammen mit den anderen die Bewegungsabläufe ein, um sie dann fortlaufend zu wiederholen. Die Korrektur des Lehrers beschränkte sich auf das erneute Demonstrieren oder wenige, oft sogar versteckte Hinweise. Das wiederholte Ausführen der immer gleichen Abläufe sollte dem Schüler Sicherheit geben und er sollte so Gelegenheit bekommen, hinter die Technik zu schauen und die Grundlagen der ausgeführten Kata zu erkennen und sich so zu eigen zu machen. Hat der Schüler das getan, konnte er seine eigene Interpretation der Kata vorführen und erklären. Diese durfte keine Abweichung von der Kata selbst sein, sondern sollte das tiefere Verständnis der Kata demonstrieren. Ernste Abweichungen von der Kata oder eine grundlegende Änderung mündeten im Regelfall in einer neuen Ryuha. Natürlich durften Kata auch verändert werden, doch oblag es - gerade in den stark personenbezogenen Ryuha Japans - nur dem amtierenden Oberhaupt der Schule, diese Änderung anzuerkennen und damit zum Bestandteil der Schule zu machen.
Diesen Zyklus des starren Erlernens der Form (Shu-bewahren, befolgen), des Erkennens und der Loslösung (Ha-zerreissen, zerbrechen) und des Trennens von der Technik selbst und die Übertragung in die geistigen Grundlagen der Form ( Ri-trennen, entfernen) kennen wir als Shu-Ha-Ri.
Abgeleitet von dieser oben beschriebenen Trainingsmethode werden im Shin-Ken-Ryu-Do (Abk.: SKRD) Kata als Veranschaulichung des Könnens des Schwertadepten genutzt. Die Besonderheit des SKRD im Vergleich zu anderen, heute noch ausgeübten Stilen liegt in der Ausübung der Partnerübungen (Kumi-Tachi, auch Tachi-Uchi) als Kata. Der Studierende erlernt so die für seine Weiterentwicklung notwendigen Techniken.
Durch die wechselseitige Ausführung der jeweiligen Technik der Kata als Uchitachi oder Shitachi (gesprochen Uchideshi und Shideshi, bei uns oft auch Uke und Tori) und den ständigen Partnerwechsel sowie die Korrektur der Schüler untereinander werden wichtige Eigenschaften wie Flexibilität in Körper und Geist, saubere Angriffe und Blöcke, korrekte Ausgangsstellungen, Distanzgefühl und Timing vermittelt.
Auch die anderen Lehrmethoden des SKRD wie z. Bsp.: Suburi oder Batto Ho können in einem weiteren Sinn als Kata, als „pattern practice“, verstanden und praktiziert werden. Sie werden unter der Anleitung des Lehrers oder erfahrener Schüler geübt. Dabei wird durch das praktische Ausüben der Technik in ständiger Wiederholung mit der Zeit Einsicht in die dahinter liegende Philosophie erlangt. Technik und Philosphie einer Ryuha sind miteinander verflochten und durchdringen sich gegenseitig. Eine weitere Dimension der Kampfkunst, die in der metaphysischen Ebene liegt, wird erst an ältere, erfahrene Schüler weitergegeben. Dies geschieht durch Meditation, die der Stärkung der eigenen mentalen Kraft dient mit dem Ziel, die eigene Körperkraft zu beherrschen. Doch dazu ein andermal.
Resümierend sei in Bezug auf SKRD gesagt, dass SKRD sich dem Übenden erst durch ständiges Training erschliesst. Dieses ständige Training wird vor allem durch die Ausführung von Kata, auch im historischen Sinne, abgebildet.
Mehr zum Kenjutsu, angewandten japanischen Schwertkampf in München und Shin-Ken-Ryu-Do findet ihr unter www.shin-ken-ryu-do.com oder www.sc-freimann.de/bushido
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