20.07.2008
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Kickboxen – Ein vielseitiger Sport

Die Menschen haben seit jeher in ihren waffenlosen Kampfsystemen Schlagtechniken mit Fäusten und Füssen entwickelt. Sei es nun das weithin bekannte Karate, sei es Kung Fu, Boxen, Muay Thai, Sambo oder Taekwondo. In den späten Sechzigerjahren ist in den Vereinigten Staaten das Bedürfnis gewachsen, dass sich die Anhänger der verschiedenen Kampfsysteme im Kampf messen konnten. Dazu war aber ein einheitliches Regelwerk nötig, bei dem die verschiedenen Kampfkünste gleiche Chancen hatten. Damit war Kickboxen geboren.

Ein Sport - viele Disziplinen
Heute werden innerhalb des Kickboxens verschiedene Disziplinen betrieben. Semikontakt spielt sich nach einem dem traditionellen Karate sehr ähnlichen Regelwerk ab. Es geht darum den Gegner als erster mit kontrolliertem Kontakt zu treffen, und nach jedem Treffer wird der Kampf kurz unterbrochen und die Punktewertung vorgenommen. Gewonnen hat, wer am Schluss die meisten Punkte hat. Das Vollkontakt ist dem Boxen sehr ähnlich, die Schläge werden mit voller Kraft ausgeteilt und der Kampf wird nur bei Regelverletzungen unterbrochen. Gewonnen hat wer seinen Gegner K.O. geschlagen hat, oder wer mehr Punkte gesammelt hat. Schläge unter die Gürtellinie, auch auf die Beine, sind nicht erlaubt. Eine Zwischenstufe zu den ersten beiden Formen stellt das Leichtkontakt-Kickboxen dar. Hier wird nach genau gleichen Regeln gekämpft, ausser dass die Schläge mit reduzierter Kraft geschlagen werden und der Gegner nicht K.O. geschlagen werden darf. Das Vollkontakt mit Lowkick oder kurz auch Lowkick genannt, ist identisch mit dem Vollkontakt aber die zusätzliche Möglichkeit besteht, den Gegner auch auf die Beine zu kicken. Die Palette der Kampfarten rundet das Thaiboxen ab, eine dem traditionellen Muay Thai ähnliche Variation, bei der zusätzlich zu den Lowkicks auch Kniestösse erlaubt sind. Ellenbogenstösse sind nicht erlaubt.

Zusätzlich zu den Kampfarten gibt es die so genannten Musical Forms, wo im Hardstyle (karateähnliche Formen) und Softstyle (kungfuähnliche Formen) mit und ohne Waffen spektakuläre, den traditionellen Katas angelehnte Kampsportvorführungen gezeigt werden. Das Aerokickboxing ist eine ähnliche Form, wo die Teilnehmer alleine oder in Gruppen Tae-Bo-ähnliche Übungen vorzeigen, wobei Variation und in der Gruppe Synchronisation eine wichtige Rolle spielen.

Ein Sport - viele Namen
Zuerst wurde der neue Sport Sportkarate oder auch Fullcontact Karate genannt. Der Begriff Kickboxen setzte sich erst später durch, ist aber heute der am weitesten verbreitete. Zusammen mit den verschiedenen Disziplinen im Kickboxen, auf die wir später eingehen werden, ist die Verwirrung um die Bezeichnungen gross. In Frankreich etwa bezeichnet “Kickboxing” das Fullcontact mit Lowkick, in Japan, bezeichnet “Kickboxing” eher Thaiboxen. Für Semikontakt wird etwa auch Sportkarate oder Pointfighting gebraucht und für Leichtkontakt auch “Running Time” oder in Amerika „Continous Sparring“. Die Bezeichnungen variieren je nach Land.

Ein Sport - viele Verbände – ein Weltverband
Ähnlich dem Boxen ist das Kickboxen auch in sehr viele, z.T. kleine und unbedeutende Verbände aufgeteilt. Diese Aufsplittung ist auch der Grund, weshalb der mittlerweile doch populäre Sport bis jetzt noch nicht weltweit olympisch anerkannt ist. Im Amateurkickboxen hat es die WAKO (World Association of Kickboxing Organisations) nun aber geschafft die offizielle weltweite Anerkennung der GAISF (General Assembly of International Sports Federations) zu erlangen und hat damit den ersten wichtigen Schritt in Richtung einer Olympischen Anerkennung geschafft. Die Asiatische Vertretung der WAKO hat dies bereits geschafft und so ist auf dem ganzen Asiatischen Kontinent Kickboxen Olympisch anerkannt. Viele einzelne Länder rund um den Globus haben es ausserdem geschafft von ihren nationalen Olympischen Verbänden die Anerkennung zu erlangen, so zum Beispiel Norwegen, Österreich und Kroatien.

Ein Sport - viele Anforderungen
Einer der grössten Pluspunkte des Sportes ist die grosse Vielfältigkeit. Im Kickboxtraining werden viele Faktoren wie Schnellkraft, Kraft, Kraftausdauer, Beweglichkeit, Koordination, Kondition aber auch psychische Eigenschaften wie Durchhaltewillen und Respekt vor dem Gegner benötigt und auch trainiert. Es stellt also auch ein ausgesprochen vielseitiges Training dar und so wird es von vielen Leuten, mittlerweile auch sehr vielen Frauen, als Fitnessprogramm eingesetzt. Dazu kommen die Aspekte der Selbstverteidigung, welche den Sport zusätzlich attraktiv machen.
Der Aufbau der Trainings variiert von Klub zu Klub stark, je nachdem sind noch Überbleibsel aus den traditionellen Kampfkünsten, wie zum Beispiel Begrüssungsformen und Bezeichnungen der Techniken übrig geblieben.
Gemessen wird der Trainingserfolg an regelmässigen Gurtprüfungen. Die Gurteinteilung entspricht jener des Judos und führt vom Gelbgurt über Orange-, Grün-, Blau- und Braungurt bis zum Schwarzgurt. Bei den Meistergraden (Schwarzgurt, DAN) werden zusätzlich Tests in Musical-Forms, Wettkampf, Schiedsrichterausbildung oder Selbstverteidigung verlangt.

Ein Wettkampfsport
Eine wichtige Komponente des Kickboxens stellt der Wettkampf dar. Wie wir aus der Entstehungsgeschichte wissen, war der Hauptgedanke hinter dem Kickboxen der sportliche Zweikampf. Daher sind die gelernten Techniken ausschliesslich dazu da, den Gegner zu besiegen und/oder sich selber zu verteidigen. Gesundheitsfördernde Bewegungen wie sie in manchen fernöstlichen Systemen wie dem Qi-Gong zu finden sind gibt es im Kickboxen in dieser Form nicht.
Im Amateurbereich werden die Wettkämpfe vor allem in Turnierform abgehalten. Die Kampfdauer variert wiederum stark, die internationalen WAKO-Turniere stellen mit dreimal 2 Minuten die grösste konditionelle Herausforderung dar. Heute gibt es in fast allen Ländern grössere Internationale Turniere, der Höhepunkt des Jahres stellt jeweils die Europa- oder Weltmeisterschaft dar, welche abwechslungsweise stattfinden.

Die Zukunft
In Zukunft wird das Kickboxen bemüht sein, die olympische Anerkennung zu erlangen, um auch in allen Ländern die staatliche Unterstützung gesichert zu haben. Fliesst einmal mehr Geld in den Sport, wird eine weitere Professionalisierung und vor allem Vereinheitlichung möglich sein. Beide stellen Voraussetzungen dar, damit der Sport für ein noch breiteres Publikum interessant wird. Auf jeden Fall ist ein Abbruch des Kickboxbooms in näherer Zukunft nicht zu erwarten.

Bericht von Philippe Schmid

Weitere Informationen über Kickboxen auf der Webseite von Axekick

Eingereicht von Dojoguide Team
Webseite http://www.dojoguide.org

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